Seitdem die Tübinger Basketballer wieder der 1. Bundesliga angehören,
verliefen die bisherigen Derbys gegen den schwäbischen Kontrahenten
Ludwigsburg aus Sicht der Unistädter äußerst unglücklich.
Dreimal trafen die Teams aufeinander und stets war es das Team von Silvano
Poropat, das das bessere Ende auf seiner Seite hatte. Dabei konnten sich
die Fans beider Seiten über mangelnde Dramatik nicht beklagen. In der
vergangenen Saison entschied der damals für Ludwigsburg auflaufende
Andrius Giedraitis ein hochdramatisches Duell in der Rundsporthalle mit
einem Verzweiflungswurf in der Schlusssekunde. Beim Rückspiel in Tübingen
ließen die Barockstädter den damals tief im Abstiegskampf steckenden
Tigern keine Chance. Beim Hinspiel der laufenden Spielzeit sah Tübingen
lange wie der sichere Gegner aus, doch am Ende wurde eine hohe Führung
verspielt und der Sieg verschenkt – wie so oft in dieser Saison. Viele
knappe Spiele gingen verloren, was am Ende dem ehemaligen Trainer Pat Elzie
den Job kostete. Inzwischen wurde er von Aaron McCarthy ersetzt. Seither
hat Tübingen drei von vier Spielen gewonnen. Kapitän Robert Wintermantel
hat dafür eine einfache Erklärung: „Wir trainieren kürzer,
aber intensiver. Zwei Tage vor jedem Spiel wird die Intensität jedoch
zurückgenommen, sodass wir frischer in die Spiele gehen können
und bis zum Ende konzentriert bleiben.“ Auch die zunehmende Planlosigkeit
in der Offensive hat McCarthy bereits in den Griff bekommen. „Jeder
Spieler muss seine eigenen Interessen dem Team unterordnen. Für mich
zählt einzig der Erfolg“, erklärt der Amerikaner. Ein Spieler,
der das nicht versteht, wird bei ihm schon einmal auf die Bank verbannt.
Einzig mit den ersten 20 Spielminuten in Gießen war McCarthy überhaupt
nicht einverstanden, weshalb er seine Jungs am Montag zu einem ernsten Gespräch
gebeten hat. Danach hat das Team im Training hart gearbeitet und im Pokalsieg
über Bonn eine tolle Leistung gezeigt. „Das war schon richtig
gut, aber es gibt immer Dinge, die man noch besser machen kann“, erklärt
McCarthy, der auch heute noch heißer war.
Seit einigen
Tagen beobachtet McCarthy bereits das Ludwigsburger Spiel: „Ludwigsburg
hat ein starkes, selbstbewusstes Team“, weiß McCarthy, der
sich allerdings sicher ist, dass sein Team die Fehler vom Hinspiel kein
zweites Mal machen wird. Die besondere Derby-Brisanz lässt den Amerikaner
allerdings recht kalt. „Für mich ist es ein ganz normales Spiel,
das ich gewinnen will. Meine Aufgabe ist es, ruhig zu bleiben und das
Team gut einzustellen.“ Für Robert Wintermantel sieht das schon
anders aus. Er war bei den letzten drei Derby-Niederlagen der Tigers dabei
und weiß: „Da ist noch eine Rechnung offen!“ Die Duelle
der Baden-Württembergischen Teams sind für ihn stets ein Höhepunkt.
„Aber die Amerikaner verstehen das halt nicht“, erklärt
Wintermantel.
Die Fans beider Seiten fiebern schon lange Zeit dem Derby
entgegen. Schon seit Wochen organisieren die Ludwigsburger Fans die Fahrt
nach Tübingen und überlegen, wie sie ihr Team zum Sieg peitschen
könnten.
Bei den Verantwortlichen
in Ludwigburg standen in den letzten Tagen jedoch zwei andere Spiele im
Vordergrund. Zunächst galt alle Konzentration dem laut Silvano Poropat
„wichtigsten Spiel des Monats“ gegen die Artland Dragons,
welches Ludwigsburg am vergangenen Wochenende gewinnen konnte. Aufgrund
der aktuellen Tabellensituation war dieser Erfolg im Rennen um die begehrten
Playoff-Plätze von großer Bedeutung. Es folgte das Pokal-Spiel
in Braunschweig, das Ludwigsburg am Mittwoch für sich entscheiden
konnte. Auch in dieser Saison möchte man in Ludwigsburg bis zum finanziell
lukrativen Top4-Endturnier vorstoßen. Da blieb bislang wenig Zeit,
sich auf das Tübingen-Spiel zu freuen.
Dennoch will Ludwigsburg auch dieses Derby für sich
entscheiden, schließlich "wollen wir auch in diesem Jahr wieder
das beste Team in Baden-Württemberg sein", betont der erste
Vorsitzende Alexander Reil.
Beide Trainer können am Samstag aus dem Vollen schöpfen und
haben keine Verletzten zu beklagen. Michael Moten (Knie) und Antwine Williams
(Knöchel/Rücken) sind leicht angeschlagen, ihr Einsatz ist jedoch
nicht gefährdet. |
Mit
einem bandagierten Arm kam jedoch Aaron McCarthy am Donnerstag zur Pressekonferenz.
"Ich habe einen Tennisarm", erklärt der Hobby-Boris. Aber
woher der Tennisarm kommt, weiß McCarthy nicht, schließlich
liegt sein sein letztes Tennismatch einige Zeit zurück. |